Das Gestaltungsfeld „Gesundheitsdienstleistungen“ zeigt Handlungsansätze auf, die sich direkt aus dem Gesundheitswesen – der stationären und ambulanten Versorgung – ergeben. Das Gestaltungsfeld ist seit dem Masterplan 2010 an der Schnittstelle zwischen dem beitragsfinanzierten Gesundheitswesen, dem ersten Gesundheitsmarkt und dem privat finanzierten zweiten Gesundheitsmarkt verortet. Als Prämisse gilt es, in dem Gestaltungsfeld „Gesundheitsdienstleistungen“ die Zukunftspotenziale der Branche für alle Generationen zu heben, gesunde Lebenswelten in MV zu fördern und zu entwickeln und eine effiziente sowie bedarfsgerechte Versorgung zu gewährleisten. Dafür wurden u. a. Entwicklungsziele erarbeitet, etwa die Entwicklung und Förderung gesunder Lebenswelten durch eine Überwindung der sektoren- und grenzüberschreitenden Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung; die Förderung und Herstellung der Voraussetzungen von der Gesundheitsversorgung dienenden digitalen Systemlösungen; die Förderung von Programmen und Initiativen; eine Steigerung der Attraktivität von Ausbildung und Studium für Gesundheitsberufe in MV oder die Entwicklung neuer Anreizsysteme für lebenslanges Lernen mit dem Ziel der Sicherung eines hohen Bildungsstands in der alternden Bevölkerung und für mehr Flexibilität zur Kompensation fehlender Fachkräfte.

KatjaBusch

Projektmanagerin Gesundheitswirtschaft // Marketing & Netzwerkmanagement


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Gestaltungsfeld "Gesundheitsdienstleistungen"

Entwicklungsziele

Entwicklung und Förderung gesunder Lebenswelten durch eine Überwindung der sektoren- und grenzüberschreitender Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung

Förderung von Kooperationen und Interaktionen aller Akteure der Gesundheitswirtschaft, insbesondere von Unternehmen der Gesundheitsversorgung, der Gesunderhaltung und der Lebensmittelherstellung sowie mit Landesarbeitsgemeinschaften

Entwicklung effektiver Konzepte bzgl. einer sektorengrenzenüberwindenden Versorgung mit dem Ziel der Schaffung optimaler Angebote für Patienten im Bereich der Gesundheitsdienstleistungen beispielsweise auch durch Bündelung von Angeboten auf regionalen Ebenen, der Erhöhung des Patientenwohls sowie der Kosteneffizienz

Sektoral übergreifende und wissenschaftlich begleitete Modellprojekte für die Heilmittelerbringung, um Primär-, Sekundär- und auch Tertiärprävention als digital unterstützbar zu belegen

Stärkung der Bereitschaft und Befähigung zur Interaktion von Institutionen und Unternehmen für Forschung und Entwicklung in der Gesundheitswirtschaft mit dem Ziel der Schaffung von Forschungsverbünden

Förderung und Herstellung der Voraussetzungen von effizienten der Gesundheitsversorgung dienenden digitalen Systemlösungen, die miteinander kompatibel sind, sowie gesicherte Finanzierung für die Schaffung der notwendigen personellen sowie technischen Voraussetzungen für digitale Systemlösungen

Förderung und Unterstützung der Ansiedlung von Unternehmen mit Schlüsseltechnologien/ Kompetenzen in der Gesundheitswirtschaft in MV

Gezielte Aus- und Weiterbildung von medizinischen und medizinisch assoziierten sowie von ingenieurwissenschaftlichen und informationstechnologischen Berufen

Förderung der vorrangigen Ausbildung und/ oder Studiums von Bewerbern aus MV durch geeignete politische rechtskonforme Landesinitiativen 

Förderung von Programmen und Initiativen, die Ausbildung und Studium in MV für Jugendliche und Studierende aus anderen Bundesländern, aber auch international, attraktiver machen

Entwicklung neuer Anreizsysteme für lebenslanges Lernen (mit Schulungen, Weiterbildungen etc.) mit dem Ziel der Sicherung eines hohen Bildungsstands in der alternden Bevölkerung und für mehr Flexibilität zur Kompensation fehlender Fachkräfte 

Implementierung von Lehrstühlen zum Thema Heilmittelwissenschaften und eine Ausstattung mit finanziellen Mitteln

Handlungsfelder

Handlungsfeld 1 - Gesunde Lebenswelten

Der Bereich Kinder- und Jugendmedizin ist ein Beleg dafür, dass eine sektoren- und lebensweltenübergreifende Diskussion über die Zukunft der Jugend und ihres gesunden Aufwachsens für alle Bereiche notwendig ist. Im Jahr 2019 wurde durch die Strategiegruppe „Gesundheitsdienstleistungen“ das Modellvorhaben „Kinder- und Jugendgesundheit/ Stärkung der Kinderrehabilitation in Mecklenburg-Vorpommern“ ins Leben gerufen. Durch das Aktionsbündnis aus Kranken- und Rentenversicherungen, Gesundheitsämtern und Reha-Einrichtungen erhalten Kinder und Jugendliche einen effektiveren Zugang zur Kinder- und Jugendrehabilitation in MV. Die im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin angeschobenen Projekte bedürfen einer weiterführenden Diskussion in den angrenzenden Sektoren. Zugleich ist ein gemeinsames Vorgehen von Politik, Wissenschaft, Bildung und Gesundheitsdienstleistern ebenso unumgänglich wie die Einbindung der frühkindlichen und allgemeinen Bildung der Kinder und Jugendlichen in unserem Bundesland bis hin zu Berufsfindung und Studium. Das Projekt soll dementsprechend auch zukünftig in den Teilbereichen „Gesundes Aufwachsen“, „Gesundes Arbeiten und Leben“ sowie „Medizinische Versorgung“ weiterentwickelt werden.

Handlungsfeld 2 - Medizinische Versorgung

  • Selbstverwaltungsorganisationen nach dem Heilberufsgesetz des Landes optimal in die Umsetzung der Ziele und Maßnahmen einbeziehen.
  • Überwachung der Erfüllung der Berufspflichten der Mitglieder der Kammern sowie der Umsetzung von geeigneten Maßnahmen zur Gestaltung und Förderung der Fort- und Weiterbildung für Mitglieder der Kammern.
  • Die Kammern müssen im Rahmen von Gesetzgebung- und Verordnungsprozessen als auch in die Kommunikationsgestaltung zukünftig stärker einbezogen und auch im Rahmen der Prozesse zur Stärkung des öffentlichen Gesundheitswesens beteiligt werden.
  • Verbesserung der medizinischen Versorgung durch sektorenübergreifende Strukturen.
  • Aufbau spezialisierter Hygienenetzwerke und Fachkompetenz zur Wundversorgung.
  • Erhöhung der Absolventenzahlen von Ärzten an beiden Universitäten des Landes.
  • Schaffung rechtskonformer Rahmenbedingungen für Studienplätze medizinischer Richtungen gesondert für Plätze mit Bewerbern aus unserem Land, die sich verpflichten, nach dem Studium eine Tätigkeit oder eine Facharztweiterbildung in unserem Land aufzunehmen.

Handlungsfeld 3 - Vernetzung und Kooperation

  • Verbesserung der Gesundheitsversorgung, insbesondere der älteren Bevölkerung, indem die Fallsteuerung durch ein übergeordnetes Fallmanagement in definierten Regionalbereichen erfolgt.
  • Förderung des Ausbaus der Versorgungsstrukturen durch Clusterbildung.
  • Personelle Aufstockung des Gesundheitswesens in MV, um auch beratende Funktionen gewährleisten zu können.
  • Unterstützung einer besseren Anbindung und einer effizienteren Nutzung vorhandener Kompetenzen in den unterschiedlichen Versorgungsbereichen durch das Aufbrechen sektoraler Grenzen.
  • Intensivierung der Interaktion zwischen Akteuren der Gesundheitsversorgung und den Unternehmen der Gesundheitswirtschaft; vor allem für Start-ups ist eine attraktive Förderkulisse Voraussetzung, um neue und innovative Lösungen für die Gesundheitsversorgung und -erhaltung zu entwickeln.
  • Verfolgung der im vorangegangenen Masterplan definierten Internationalisierungsstrategie der Gesundheitswirtschaft mit dem Ziel der Steigerung der Attraktivität regionaler Gesundheitsdienstleistungsangebote und somit der Exportquote.
  • Krisensichere Gesundheitsversorgung durch eine bessere Vorbereitung auf potenzielle Krisen- oder Katastrophenfälle; Sicherstellung von Risikoplänen für Gesundheitseinrichtungen, Schaffung strategischer Landesreserven.
  • Schaffung regionaler bzw. nationaler Produktionsmöglichkeiten und Notfalldepots für die Sicherstellung der Versorgung mit Schutzausrüstung, hygienerelevanten Desinfektionsmaterialien sowie lebensrelevanten Medikamentendepots.

Handlungsfeld 4 - Förderschwerpunkt Gesundheitswirtschaft

  • Für innovative Projektideen der Gesundheitswirtschaft ist die Prüfung von effektiven Fördermöglichkeiten, wie beispielsweise der Ideenwettbewerb Gesundheitswirtschaft zur Ermöglichung der Umsetzung notwendig.
  • Um die Nachhaltigkeit nach entsprechend erfolgter Evaluation von bereits geförderten und erfolgreich umgesetzten Landes- und Bundesprojekten zu erhöhen, sind Anschlussfinanzierungen bereitzustellen und/ oder das Wissen um passgenaue Fördermöglichkeiten von Bund und EU sowie von Stiftungen zu erweitern.

Handlungsfeld 5 - Gesundheitspolitik

  • Die Weiterentwicklung von Technologien zur medizinischen Versorgung und die durch Digitalisierung zunehmende Vernetzung von Akteuren werden langfristig neue Berufsbilder hervorbringen. Auf landespolitischer Ebene sind dazu koordinierte Rahmenbedingungen für die Etablierung weiterer Studiengänge für Gesundheitsfachberufe und medizinnaher technologischer Berufe zu schaffen. Auf dem Gebiet des Betrieblichen Gesundheitsmanagements und der Arbeitsmedizin sind unterstützende Technologien zu fördern.
  • Um bestehenden Defiziten hinsichtlich gesetzlich vorgeschriebener Arbeitsschutzmaßnahmen der Mitarbeiter in Unternehmen (insbesondere in den KMU) zu begegnen, sollte die Facharztweiterbildung Arbeitsmedizin im Land aktiv gefördert werden. Darüber hinaus sind in Zeiten der Corona-Pandemie Änderungen des Arbeitsschutzstandards zur Sicherung der Gesundheit der Beschäftigten und zur Wiederherstellung wirtschaftlicher Aktivitäten erforderlich, die einen höheren Personaleinsatz an Arbeitsmedizinern erfordern.
  • Eine Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes hat sich als zwingend notwendig erwiesen. Diese muss sowohl hinsichtlich der personellen Besetzung als auch der Digitalisierung der Gesundheitsämter erfolgen.
  • Für Innovationsprojekte, die der Zukunftsfähigkeit der regionalen Gesundheitsindustrie, der Gesundheitsdienstleistungen und der Gesundheitsversorgung dienen, müssen eigenständige Fördermöglichkeiten seitens des Landes MV geschaffen und Bundesmittel eingeworben werden.

Handlungsfeld 6 - Forschung

  • Um kontinuierlich Anreize für neuartige Lösungsansätze in der Gesundheitsvorsorge wie auch in der Gesundheitsversorgung zu schaffen, sollen jährlich attraktive Ausschreibungen zu wichtigen themenbezogenen Herausforderungen initiiert werden.
  • Um den Wissenstransfer aus den Hochschulen in die Wirtschaft zu intensivieren, dienen derzeit bereits Technologie- und Innovationsberater als Schnittstelle. Ihre weitere fachliche Ausdifferenzierung wird als sinnvoll erachtet. In den existierenden Digitalen Innovationszentren fachlich kompetente Ansprechpartner für die Technologie- und Innovationsberater vorgesehen werden.
  • Auch die Versorgungsforschung als Forschungsrichtung, die sich gezielt mit Fragen der Weiterentwicklung des Gesundheitssystems beschäftigt, bedarf eines Ausbaus an den bestehenden Hochschulen.
  • Für die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis ist neben einer staatlichen Förderung auch die Förderung durch Public Private Partnerships in Betracht zu ziehen. Für die Begleitevaluation von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben von Unternehmen ist die Einbindung von vorhandenen wissenschaftlichen Kompetenzen im Bereich Gesundes Alter(n), Prävention, Gesunderhaltung und Betrieblichem Gesundheitsmanagement zu unterstützen.
  • Zur Intensivierung dieser Interaktionen können die Strukturen von Kammern, Verbänden, Körperschaften und Vereinen sowie der BioCon Valley® GmbH genutzt werden, um Angebote und Möglichkeiten der Gesundheitsforschung zum Nutzen der Unternehmensentwicklung zugängig zu machen.

Meilensteine

kurzfristig

 
  • Das Bewusstsein für ein Gesundes Aufwachsen in  MV ist in der breiten  Gesellschaft etabliert.
  • Gesetzliche Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz in allen Unternehmen durch Aufbau von Netzwerken und Unterstützung von KMU und Kleinstbetrieben sind verankert.
  • Wirksame Krisen-, Schutz-, Hygienekonzepte für Pandemie und Katastrophenfall sind für alle Einrichtungen erstellt – Informationen und finanzielle Unterstützung werden bereitgestellt.
  • Gesetzliche Voraussetzungen zur Einführung einer sektorenübergreifenden, qualitätsgesicherten, medizinischen Planung und Versorgung sind umgesetzt.
  • Studien- und Ausbildungsprogramme und attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten sind umgesetzt.
  • Neue Berufsfelder / Medizinassoziierte Berufe.
  • Sektorenübergreifende Vernetzung.
  • Entwicklung zur Gesundheitsförderung und -versorgung ist gestärkt.
  • Schaffung von eigenständigen Förderinstrumenten für die Gesundheitswirtschaft.
  • Schaffung von gesetzlichen Basisvoraussetzungen für eine sektorenüberschreitende bevölkerungsnahe Gesundheitsversorgung.
  • Stärkung der landeseigenen Fach- und Hochschulen im nationalen und internationalen Vergleich.
 

mittelfristig

 
  • Die frühkindliche und die allgemeine Bildung bzgl. eines ausgewogenen Gesundheitsbewusstseins, beginnend bei den Kindern und Jugendlichen bis hin zu den jungen Erwachsenen wird umgesetzt.
  • Evaluierte Modelle werden in der Regelversorgung angewendet.
  • Vernetzungen und Zuweisungsmöglichkeiten über Sektorengrenzen hinweg in Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung bestehen.
  • EU- und Bundesmittel (für vorhergehenden Zweck) werden eingeworben.
  • Intensivierung der Forschungs- und Entwicklungsinteraktion, sowie wissensbasierten Ausgründungen unter Nutzung des Knowhows und der Strukturen von Kammern, Verbänden, Körperschaften, Vereinen sowie der BioCon Valley® GmbH.
 

langfristig

 
  • In MV ist ein gesundes Aufwachsen, durch die frühkindliche und die allgemeine Bildung, ein ausgewogenes Gesundheitsbewusstsein aller, beginnend bei den Kindern und Jugendlichen bis hin zu den Erwachsenen, etabliert.
  • Die sektorenübergreifende Planung und Versorgung ersetzen die bisherigen Instrumente der Krankenhausplanung und der ambulanten Bedarfsplanung. Die Möglichkeiten zur sektorenübergreifenden Abstimmung der Planung im gemeinsamen Landesgremium nach § 90a SGB V sind verstärkt zu nutzen.
  • Ein System, welches eine zeitnahe Anpassung der Rahmenbedingungen von Gesundheitsberufen an die aktuelle Situation ermöglicht, ist eingesetzt.
  • Forschungscluster im Bereich Gesundheitswirtschaft sind entwickelt und etabliert.