Masterplan Gesundheitswirtschaft 2030
72 BioCon Valley ® GmbH 4.5.2. Spezi sche Herausforderungen und Entwicklungsziele des Gestaltungsfeldes Auch in diesem Gestaltungsfeld machen sich veränderte gesellschaftliche Vorstellungen bemerkbar� Es wird immer deutlicher, dass gesunde Ernährung nur im Zusammen- hang mit nachhaltig hergestellten Nahrungsmitteln ge- sehen werden kann� Veränderte Rahmenbedingungen, wie steigende Rohsto – und Energiepreise, der zunehmende Mangel an Arbeitskräf- ten, die stetig umfangreicheren Anforderungen an Sicher- heitskonzepten, der Wunsch nach nachhaltigen Verpa- ckungslösungen, aber auch die Wünsche nach Clean Label 84 , der Reduktion von Zucker, Salz und Fett und die Anreicherung mit wertvollen Inhaltssto en in Spezialprodukten, stellen die Ernährungswirtscha vor große Herausforderungen� Darüber hinaus sind seit 1970 mehr als 30 Prozent der welt- weiten landwirtscha lichen Flächen durch Urbanisierung, Wüstenausbreitung, Versalzung und Bodenerosion verloren gegangen� Der jährliche Verlust der weltweiten Agrarflächen wird auf 0,2 Prozent geschätzt� 85 In Deutschland werden täg- lich 56 ha Böden für die Urbanisierung versiegelt und gehen damit der landwirtscha lichen Nutzung verloren� 86 Die Art der Ernährung und der Umgang mit Nahrungsmitteln haben durch den jeweiligen Ressourcenverbrauch ebenfalls einen großen und unmittelbaren Einfluss auf die Umwelt und das Klima (vgl� Abbildung 6)� Jährlich werden in Deutschland 12 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von 20 Milliarden Euro verworfen - die Verluste entstehen zu 12 Prozent in der Landwirtscha , 18 Prozent bei der Verarbeitung, 14 Prozent in der Außer-Haus-Verpflegung und 56 Prozent in den privaten Haushalten� 87 Der Ressourcenverbrauch durch diese Lebensmittelabfälle entspricht 1/6 aller in Deutschland erzeugten Lebensmittel (42,9 Mio�t Getreide, 3,5 Mio�t Raps, 10,6 Mio�t Karto eln, 8,6 Mio�t Schlachtgewicht Fleisch, 3,9 Mio�t Gemüse, 1,3 Mio�t Obst) 88 � Deshalb liegt das Augenmerk im Gestaltungsfeld „Ernäh- rung für die Gesundheit“ für die Zukun nicht allein auf der Bereitstellung von Nahrungsmitteln mit gesundheitsfördern- der Wirkung, sondern verstärkt auf der Ressourcene zienz und Nachhaltigkeit dieser Produkte bzw� der Ernährung� Für 84 Ein sogenanntes Clean Label bei Lebensmittel weist darauf hin, dass das Produkt ohne bestimmte Zutaten, wie beispielsweise Konservierungsstoffe, Farbstoffe o. ä., hergestellt wurde. 85 Potenzialanalyse Portfolio „Bioökonomie Mecklenburg-Vorpommern“, Marktstudie im Rahmen des Eco4Life Projektes MV, Herausgeber: BioCon Valley ® GmbH im Rahmen des EU-Projektes “Eco4Life-South Baltic Network for Environmental and Life Sciences to Boost Cross Border Cooperation, Dezember 2013, S.4. 86 Vgl. Link: https://www.nabu.de/news/2020/07/30hektartag.html (Zugriff am: 02.06.2022). 87 Vgl. Link: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/auswaehlen-zubereiten-aufbewahren/politik-von-der-lebensmittelverschwendung-zur-wertschaetzung-59547 (Zugriff am 01.06.2022). 88 Vgl. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2020): Erntebericht 2020, S. 20. 89 Vgl. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Politik für eine nachhaltigere Ernährung, (Juni 2020), S. 2. eine nachhaltige Ernährung müssen Gesundheits-, soziale, Umwelt- und Tierwohlziele in Einklang gebracht werden (vgl� Abbildung 6)� Indem sich das Gestaltungsfeld diesen Zielen widmet, wird es maßgeblich dem Querschnittsbereich der biologischen Transformation der Gesundheitswirtscha ge- recht (siehe Kap� 5�5)� nachhaltige Ernährung G e s u n d h e i t S o z i a l e s T i e r w o h l U m w e l t Abbildung 6: Die vier zentralen Ziele einer nachhaltigen Ernährung 89 Eine nachhaltige Ernährung hat durch Wertschätzung und Auswahl der Lebensmittel und die Ernährungsmuster oder den Ernährungsstil einen bedeutenden Einfluss auf ein ge- sundes langes Leben der Menschen und auf die Umwelt und das Klima� Das bedeutet, dass neben der Erzeugung gesund- heitsfördernder Lebensmittel auch die Ernährungsbildung eine wesentliche Rolle spielt� Traditionell tragen in MV die Land- und insbesondere die Er- nährungswirtscha zu einer im Vergleich zu Gesamtdeutsch- land überproportionalen regionalen Wertschöpfung bei (vgl� Abbildung 7)� Dies ermöglichte schon im letzten Jahrhundert bis heute innovative, international wettbewerbsfähige Struk- turen im Tier- und Pflanzensektor, welche von begleitender Anwendungs- und Grundlagenforschung stetig begünstigt worden sind�
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