Masterplan Gesundheitswirtschaft 2030
98 BioCon Valley ® GmbH 5.3. Innovationen, Technologietransfer 5.3.1. Spezi sche Herausforderungen und Entwicklungsziele des Querschnittsbereichs Das hier beschriebene gestaltungsfeldübergreifende Hand- lungsfeld beinhaltet auch die Themenfelder Ansiedlung und Gründung von Unternehmen� Die Ausgangsbedingungen für den Querschnittsbereich „Innovationen, Technologietransfer“ im Land stellen sich unterschiedlich dar� Auf der einen Seite verfügt MV über eine gewachsene Struktur des Innovations- und Technologietrans- fers� Auf der anderen Seite stehen an den Hochschulen nur sehr begrenzte Ressourcen zur Verfügung, um dauerha e Netz- werke aufzubauen� Zudem sind entsprechende Personalstel- len häu g projektbezogen und damit zeitlich begrenzt� Eine für den Netzwerkau au notwendige Kontinuität und Planbarkeit, sowie die für entsprechende Aktivitäten benötigte Qualität, kann daher nur eingeschränkt sichergestellt werden� Eine weitere Hürde ist die Kleinteiligkeit der Wirtscha im Land, sodass viele Unternehmen nicht über eigene For- schungs- und Entwicklungsabteilungen verfügen� Das führt dazu, dass die gegenseitigen Kenntnisse über verfügbare Res- sourcen, das wissenscha liche Angebot und die betrieblichen Bedarfe verbesserungswürdig sind� Das Potenzial eines optimierten Technologietransfers zeigt sich auch an der gewerblichen Drittmittelquote 117 � Diese ist an den Hochschulen des Landes weniger stark ausgeprägt als in vielen anderen Bundesländern und Deutschland insgesamt� Das Land steht vor der Herausforderung, die Vernetzung zwi- schen Wissenscha und Wirtscha zu vertiefen, zu professio- nalisieren und zu verstetigen, um die notwendige Expertise zur Bewertung von transferrelevanten Projekten und deren Unterstützung zu gewährleisten� Dabei stehen Transfervor- haben in der Gesundheitswirtscha vor besonderen Heraus- forderungen� Die Translation von Produkten (z� B� in der Me- dizintechnik) und von Dienstleistungen in die medizinische Versorgung ist besonders schwierig und mit einer Vielzahl von Hürden verbunden� Um diesen Prozess zielführend umzusetzen, bedarf es zunächst eines Transfer-Audits� Eine solche Analyse des Ist- Zustandes bildet die Grundlage für die weitere Entwicklung des Technologietransfers, wobei das Land auf bestehende Einrichtungen und engagierte Akteure au auen kann� Neben der gezielten Weiterentwicklung der Transferstrukturen stellt 117 Vgl. Statistisches Bundesamt (2021): Bildung und Kultur. Finanzen der Hochschulen 2019, Fachserie 11 – Reihe 4.5. 118 „Start-ups sind junge gewerbliche Unternehmen, die vor höchstens 5 Jahren gegründet wurden, deren Gründerinnen und Gründer im Vollerwerb tätig sind, die ein Gründungsteam oder Beschäftigte haben und innovationsorientiert oder wachstumsorientiert sind, also Forschung und Entwicklung durchführen, um eine technologische Innovation zur Marktreife zu bringen, oder mindestens eine deutschlandweite Marktneuheit anbieten“ (KfW-Start-up-Report 2020). 119 Vgl. Handelsregister-Daten des Branchenportals Startupdetector. https://www.startupdetector.de/startupdetector-report-2021/ (Zugriff: 01.06.2021). 120 Vgl. Deutscher Startup Monitor 2020. Link: https://deutscherstartupmonitor.de/wp-content/uploads/2020/09/dsm_2020.pdf (Zugriff am 01.06.2022). die Stärkung der Gründerkultur, d� h� eine positive Einstel- lung und Bereitscha im Land zur Gründung eigener Unter- nehmen, eine wesentliche Aufgabe dar� Drei zentrale Entwicklungen sind bei der kün igen Gestaltung des Querschnittsfeldes „Innovationen, Technologietransfer“ zu berücksichtigen: die Digitalisierung, die Desurbanisierung und die Auswirkungen der Corona-Pandemie� Durch die Anforderungen an die Digitalisierung im Gesund- heitswesen entstehen neue Bedarfe, die sich in den Unter- stützungsstrukturen widerspiegeln müssen� Eine detaillierte Darstellung ndet sich dazu im Querschnittsbereich „Digitale Transformation“ (siehe Kap� 5�2)� Die Desurbanisierung beschreibt in diesem Zusammenhang die Bewegung von quali zierten jungen Menschen aus der Großstadt in ländliche Räume� Hier kann MV mit seiner Nähe zu Hamburg und Berlin attraktiv sein, sofern die notwendigen Voraussetzungen gescha en werden, wie z� B� die Bereitstel- lung digitaler Infrastruktur� Die Corona-Pandemie wiederum sorgte für einen Rückgang bei der Gesamtzahl der Unternehmensgründungen im Jahr 2020, da die wirtscha liche Unsicherheit deutlich gestiegen ist� Zwar scheint sich bei den Start-up-Gründungen 118 ein bes- serer Trend abzuzeichnen 119 , allerdings sind auch Start-ups branchenübergreifend durch die Corona-Krise in erheblichem Maße negativ beeinträchtigt� Wie sich die Corona-Krise kon- kret auf die Start-up Szene auswirkt, ist noch nicht vollstän- dig absehbar� Langfristig ist jedoch davon auszugehen, dass Start-ups von der Beschleunigung bestehender Trends und einem Digitalisierungsschub pro tieren können� 120 Aus den dargestellten Herausforderungen, Stärken, Schwä- chen und Chancen leiten sich drei zentrale Entwicklungsziele ab: 1. Stärkung des Innovationsklimas und der Innova- tionsbereitscha 2. Stärkung und Verstetigung von Technologie- transferstrukturen auf Basis einer landesweiten Transfer-Strategie 3. Steigerung der Gründungsdynamik und Vermitt- lung von KnowHow-Trägern für junge Firmen
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